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Amphibien Arche
Erhaltungszuchten von Schwanzlurchen – Beitrag der AG
Urodela
Gegenwärtig findet ein beispielloses
Szenario weltweit statt: Zwei Drittel der Amphibien sind bedroht, für
immer zu verschwinden. Eine Reihe von Arten ist bereits ausgestorben. In
den nächsten Jahren werden viele dazu kommen.
Als herpetologisch mit der Sachlage Vertraute, stellt sich die Frage:
Können wir als AG-Urodela etwas beitragen um dieser katastrophalen
Entwicklung entgegen zu wirken?
Obwohl vielerorts um die Ursachen des
weltweiten Amphibiensterbens diskutiert wird, liegt der Grund hierfür
klar vor Augen: Habitatverlust und Habitatveränderung durch den
Menschen.
Diese Ursachen, die global wirken, zu
beeinflussen würde den Aufgabenbereich einer herpetologischen
Organisation allerdings erheblich überfordern.
Können wir trotzdem etwas tun? Kann die
AG-Urodela hier positiv mitarbeiten?
Ich denke, wir können tatsächlich einen
wichtigen Beitrag leisten.
Seit etwa 10 Jahren besitzt die
AG-Urodela im Molchregister ein Instrument, das aktiv, unabhängig und
erfolgreich „Erhaltungsnachzucht“ betreibt.
Auf diese Tätigkeit ist die
Amphibien-Arche aufmerksam geworden und fordert uns zur Mitarbeit auf.
Wer ist diese Amphibien-Arche?
Es handelt sich um den deutschsprachigen
Bereich der Amphibian Arc,
http://www.amphibianark.org/German/index.htm, der von Dr. Peter
Janzen geleitet wird.
Sie ist eine Teilorganisation der WAZA,
World Association of Zoos and Aquariums,
www.waza.org
Dach dieser und einiger weiteren
Teilorganisationen ist die IUCN, International Union for Conservation of
Nature and Natural Ressources (Weltnaturschutzorganisation),
http://www.iucn.org/, welche etwa für die Erstellung der Roten
Listen zuständig ist. Washingtoner Artenschutzabkommen,
CITES-Bestimmungen etc. gehen auf sie zurück. Eine mächtige Organisation
also.
Die Aufgabe der Amphibien-Arche ist die
Arterhaltung mittels Erhaltungsnachzucht vornehmlich in institutionellen
Zoos und auch- das ist neu!- in privater Hand.
Nachdem es hier zunächst große
Berührungsängste seitens der Zoos gab, wurden neue Formen der
Zusammenarbeit mit Privaten in zähen Verhandlungen erreicht, die
besonders von Ingo Pauler geführt wurden.
Die DGHT und ihre Teilorganisationen, wie
die AG-Urodela stehen sich der Amphibien-Arche also in gleicher
Augenhöhe gegenüber.
Ziele und Möglichkeiten
Gemeinsames Ziel ist die Erhaltung der
Artenvielfalt. In unserem Fall die Erhaltung von gefährdeten
Schwanzlurcharten. Im Weg zu diesem Ziel unterscheiden sich
Amphibien-Arche und AG-Urodela allerdings wesentlich.
Es liegt an uns diese Unterschiede als
trennend oder ergänzend zu werten.
Die Arbeit des Molchregisters war und
bleibt stets wissenschaftlich orientiert. Der Erwerb seriöser Inhalte
war und ist die Motivation. Das wird sich auch ungebrochen so
fortsetzen, völlig unabhängig davon, was zusätzlich passieren sollte.
Das Ziel der Amphibien-Arche liegt auf
etwas anderem Gebiet: Sie versucht auf der Basis politischer
Einflussnahme zu wirken, um so auf indirektem Weg die Gesetzeslagen in
den Staaten zu Gunsten der Amphibien zu beeinflussen. Habitate lassen
sich wahrscheinlich wirklich nur durch gesetzlichen Zwang in größerem
Stil erhalten. Hierfür sind enorme Geldmittel nötig.
Um die Öffentlichkeit zu mobilisieren,
ist journalistische Aufbereitung gefragt. Dabei wird zwangsläufig
vereinfacht. So stark vereinfacht, dass viele von uns damit Probleme
kriegen werden. Zum Teil bewegt sich die Geschichte einfach weit weg vom
wissenschaftlichen Anspruch. Der aber ist eine der Säulen des
erfolgreichen Artenmanagements.
Wo kann also der Sinn in einer
Zusammenarbeit AG-Urodela/Molchregister und Amphibien-Arche liegen?
Wenn wir diesen Sinn in einem
wissenschaftlichen Erkenntnisfluss in unsere Richtung erwarten, werden
wir vermutlich enttäuscht werden. Das Wissen in unseren Reihen ist um so
viel breiter und fundierter, dass wir es sein werden, welche die
Amphibien-Arche beraten. Das Molchregister ist in der Lage, Zoos und
ähnliche Institutionen mit umfassendem Know-how im Bereich von
Nachzuchten zu versorgen. Ich bin jetzt einmal so vermessen, zu
behaupten, dass es weltweit keine vergleichbare Organisation gibt, die
über derart breites Wissen auf dem Gebiet der Schwanzlurchvermehrung
verfügt. Dass man das Molchregister von Seiten der Amphibien-Arche
umwirbt, ist deshalb leicht nachvollziehbar.
Was aber hat die AG-Urodela davon?
So schwer das fällt, aber wir müssen
zugeben, dass unsere Tätigkeit gesellschaftlich nur noch in einem
Grenzbereich akzeptiert wird. Wir erscheinen in der Öffentlichkeit immer
mehr als ein suspektes Volk, das sich mit „Exoten“ beschäftigt.
Entsprechend streng kontrolliert die Behörde. Die Amphibien-Arche
hingegen, die sich die Rettung unseres Planeten zur Aufgabe macht, wird
überaus positiv wahrgenommen. Das sind die Guten. Die sind so gut, dass
sie über viele Ressourcen verfügen, ihr Image immer weiter zu
verbessern.
Würde nun die AG-Urodela und das
Molchregister aktives Mitglied dieser Organisation, so beeinflusst das
unsere wissenschaftliche Tätigkeit zunächst wahrscheinlich überhaupt
nicht. Niemand will uns seitens Amphibien-Arche gegenwärtig
vorschreiben, was wir wie tun. Es entsteht also kein Nachteil.
Andererseits eröffnen sich für uns
Möglichkeiten, die bislang nicht zur Verfügung standen: Transportieren
unserer Tätigkeit in eine breite Öffentlichkeit, die hierzu positive
Assoziationen entwickelt.
In diesem Zug positives Wahrnehmen durch
die Behörden. Die Gründe, gesetzlichen Zwang gegen unsere Tätigkeit
auszuüben, könnten dadurch merkbar abnehmen. Es wäre möglich,
Finanzmittel zur Verfügung gestellt zu bekommen. Nicht zuletzt: der
Zugang zu Tieren wäre erleichtert.
Um welche Arten geht es?
Dass der Zug der Amphibien-Arche auch
ohne uns fährt, zeigt der Umstand, dass diese Organisation bereits eine
Artenauswahl an Schwanzlurchen getroffen hat, die es ihrer Ansicht nach
zu erhalten gilt.
Diese Auswahl ist notgedrungen nicht eben
glücklich gewesen, weil das Fachwissen einfach nicht vorhanden war.
Zur Information: Im Moment werden
folgende Schwanzlurcharten von der Amphibien-Arche in Form von geplanten
Nachzuchtprogrammen erfasst: Neurergus kaiseri, Tylototriton
shanjing, Tylototriton asperrimus.
Aus unsrer Sicht ist Tylototriton
shanjing auf Grund seiner unklaren systematischen Stellung
problematisch. Tylototriton asperrimus hingegen ist aus einer
ganzen Reihe von Gründen unglücklich gewählt und sollte nicht in ein
Nachzuchtprogramm einbezogen werden.
Als Ergänzungsvorschlag seitens der
AG-Urodela möchten wir einbringen: Paramesotriton laoensis
Ambystoma mexicanum
(diese Art wird von US-amerikanischer Seite bereits betreut),
Euproctus platycephalus.
Euproctus platycephalus, Paarung, Foto: Günter Schultschik
Alle drei Arten sind Molchregister-Arten.
Wir besitzen ausreichend Lebendmaterial (exkl. A. mexicanum
in der Wildform) und Know-how. Das Programm könnte unverzüglich in
Angriff genommen werden.
Empfehlung zur Mitarbeit in der Arche
Vom gegenwärtigen Stand des Wissens
empfehle ich daher, das Angebot zur Zusammenarbeit der Amphibien-Arche
dahin gehend zu prüfen, ob die positiven Aspekt für die AG-Urodela
realistisch sind und zum Tragen kommen können:
Für uns eröffnen sich Möglichkeiten, die
bislang nicht zur Verfügung standen: Transportieren unserer Tätigkeit in
eine breite Öffentlichkeit, die hierzu positive Assoziationen
entwickelt. In diesem Zug positives Wahrnehmen durch die Behörden. Die
Gründe, gesetzlichen Zwang gegen unsere Tätigkeit auszuüben, könnten
dadurch merkbar abnehmen. Es wäre möglich, Finanzmittel zur Verfügung
gestellt zu bekommen. Nicht zuletzt: der Zugang zu Tiermaterial wäre
erleichtert.
Sollten an den positiven Absichten der
Arche Zweifel bestehen, wäre eine Zusammenarbeit dauerhaft nicht
sinnvoll. Optional müsste auch im Fall einer Zustimmung immer die
Möglichkeit offen gehalten werden, sich wieder zurück ziehen zu können,
wenn ein Abgleich der unterschiedlichen Ziele nicht mehr möglich
erscheint.
Wie könnte es weiter gehen?
Die Leitung der AG Urodela schlägt vor,
dass sich Interessenten an der Mitarbeit in unserer AG zusammenfinden,
um solche Projekte zu realisieren. Eine Koordination könnte über das
Molchregister laufen. Die Projekte müssen aber von den Züchtergruppen
selbst kommen. Die Vorschläge der AG Urodela an die Mitglieder liegen
auf dem Tisch.
Günter Schultschik für die Leitung der AG
Urodela
unter Mitarbeit von Wolf-Rüdiger Grosse
01.02.09 |